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Erinnert Ihr Euch an Aixa…

…das schüchterne und außergewöhnlich intelligente Mädchen. Die kleine Frau, die eines der ersten Mädchen war, die wir in unserem Kinderparadies Los GUSANITOS Tamarindo betreut haben. Die Ersatzmama, welche als große Schwester immer um das Wohlergehen ihrer sieben Geschwister besorgt war.
Aixa hat uns einmal mehr daran erinnert, dass „wo die Liebe hinfallen soll, dahin fällt sie“ und, „den verrücktspielenden Hormonen ist auch die Intelligenz nicht gewachsen“, ;-).
Auch wenn es scheint, als ob wir bei ihr betreffend sexuelle Aufklärung versagt haben, sind wir nicht minder glücklich über die Geburt ihrer Tochter Mariquita (Marienkäfer). Nun, eigentlich heißt dieser kleine Sonnenstrahl María, aber ich kann die schlechte Angewohnheit nicht lassen, Kindern, welche auf den ersten Blick mein Herz erobern, angemessene Spitznamen zu geben, ;-).
Liebe Aixa, es freut mich, dass Du trotz des kleinen süßen „Zwischenfalls“ Deine Sekundarschule weiterführen wirst. Dies erfordert, besonders in unseren Breitengraden viel Mut, Kraft und Energie. Ich wünsche Dir, dass Dir dieses kleine, zarte Geschöpf die nötige Stärke gibt, den steinigen Pfad welcher vor Dir liegt, zu überwinden. Auf dass Mariquita Dich in schwierigen Zeiten mit Liebe und Freude erfüllt und, dass sie möglichst viele Eigenschaften deines guten Charakters geerbt hat.
(Priska Buchmann Scherer)

Spaß, Ablenkung, Bildung…

…ganz nach unserem Motto, spielend lernen wir. Also haben wir einen kleinen Parcours geschaffen, wo unsere Kinder Spaß haben können. Und während sie sich körperlich und geistig fit halten, lernen sie – ohne es zu merken – viel über die Themen Farben, Zahlen, Orientierungen, Gleichgewicht, Rücksichtnahme, etc., ;-). Einmal mehr ist uns aufgefallen, dass es ohne Erklärungen und Spielregeln bestens funktioniert. Auf diese Weise entdecken unsere Kinder endlose Spielweisen in diesem Parcours. Und mit jedem neuen Spiel das sie entdecken, entwickelten sie ihre eigenen Regeln.

¡ Stummer Schrei !

Seit nun praktisch zwei Monaten erleben wir die verschiedensten Facetten der Gewalt. Zwei Monate in einem Wechselbad der Gefühle, zwischen Hoffnung und Enttäuschung, wobei die Enttäuschung immer mehr an Gewicht gewinnt. In den Fernsehkanälen bedienen sie uns nicht nur Stunde für Stunde ungefiltert mit all den blutigen Neuigkeiten, nein, wir müssen sie live in unseren Straßen leben. Während sie all diese Grausamkeiten erbarmungslos begehen, scheint es, dass sie in der Hitze der Gefechte die Tausenden von Kindern um sie herum völlig vergessen haben. Es macht wirklich den Anschein, als wären sie nicht Teil der nicaraguanischen Gesellschaft und niemand denkt über den Schaden nach, den sie in den zerbrechlichen Psychen dieser wehrlosen Geschöpfe verursachen.
Ich kann lediglich über die Veränderungen unserer 70 Kinder sprechen, aber ich stelle mir vor, dass es allen gleich geht, wenn nicht sogar schlimmer:
Wenn unsere Kinder mit ihren Spielzeugautos Straßenblockade spielen, betrachte ich sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wenn wir aber fragen, was wollt ihr Spielen und sie uns wie in einem Chor antworten: „Wir wollen Krieg spielen“, sehe ich es als Hilfeschrei ihrer unterdrückten Gefühle. Mit großer Sorge haben wir etliche Veränderungen wahrgenommen, welche sich unaufhaltsam in die Seelen unserer Kinder geschlichen haben. Sie sind generell viel unruhiger, unkonzentrierter und aggressiver als vor zwei Monaten. Viele Kinder haben an Gewicht verloren und unsere Liste für die zusätzliche Vitaminabgabe wird täglich länger. Wenn sie am Morgen kommen und um Frühstück bitten, fühle ich mich um fünf Jahre zurückversetzt. Wo sie noch vor zwei Monaten Schlösser, Parks, Häuser und Tiere aus Legos gebaut haben, werden nun Pistolen und Gewehre fabriziert. Inzwischen wissen sie besser, woraus ein hausgemachter Granatwerfer besteht und wie er verwendet wird, als dass sie das Einmaleins auswendig lernen. Wo sie früher Kinderlieder in hellen und klaren Stimmen sangen, schreien sie heute die Reime mit all ihrem Schmerz in den Raum. Und am schlimmsten: Mädchen und Jungen von 6, 7 oder 8 Jahren, die nie Probleme mit der Blase hatten, nässen sich am helllichten Tag.
Und wenn sie mitten in der Nacht, auf der Suche nach einem sicheren Ort an meine Tür klopfen, bricht es mir fast das Herz. Und wenn ich sie in all ihrer Unschuld im Tiefschlaf betrachte, schmilzt meine Seele.
Dies sind nur einige kleine Beispiele der Spitze des Eisberges, welcher sich nicaraguanische Kindheit nennt, die in aller Stille leidet, während ihre schreiende Umgebung in Flammen aufgeht.
(Priska Buchmann Scherer)

Ay Nicaragua, Nicaragüita

Wir haben einen wunderschönen Tag verbracht, das Echo der Kinderlieder verblasst langsam und vermischt sich mit dem Lärm der Explosionen und dem Surren der Helikopter, welche am Nachthimmel kreisen, wo nicht ein einziger Stern schimmert. Während die Menschen sich gegenseitig bekämpfen, zerstören sie mit jedem Schuss ein Stückchen mehr des Traumes, welchen ich für eine harmonische Zukunft unserer Kinder in diesem schönen Land träumte. Meine Emotionen überborden und lassen den Tränen freien lauf.

Wir leiden am Schach-Fieber

Nach jahrelanger Begeisterung für die Spiele UNO und Lotto, ist nun das Schachfieber unter unseren Kindern ausgebrochen, 😉