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Die grauen Mauern…

…der Los GUSANITOS Sabaneta werden lebendig, seitens unserer Kinder entstehen wunderbare Kunstwerke

Ein sehr spezieller Geburtstag

Der 8. September 2017 war von so vielen Emotionen geprägt, welche ich kaum in Worte fassen kann. Die Madrinas investierten all ihr Können, um mit unseren Kindern Unmengen von Zeichnungen, Geschenken, Tänzen, Gedichten und lustigen Aktivitäten zu realisieren. Alle Werke drücken unendliche Liebe und Zuneigung aus, sodass meine Gefühle völlig überwältigt waren. Ich kann mir nicht erklären womit ich all diese Herzlichkeit verdiene und ich weiß nicht, wie ich all diese Gesten jemals wiedergeben soll.
Meinen Geburtstag mit all meinen 70 Kindern und allen Madrinas unter einem Dach feiern zu dürfen war DAS Geschenk des Tages! DANK Euch zeichnete sich in meinem Gesicht immer und immer wieder ein Lächeln ab, als ich mich schlafen legte. Ich fühlte mich wie auf Wolken, und badete im reinen Glück der unzähligen Emotionen und Überraschungen des Tages.
DANKE – DANKE – DANKE und nochmals DANKE !
P.D.: Yeaaaaaaaaaaaa, ich habe einen Kühlschrank, ich habe einen Kühlschrank, ich habe einen Kühlschrank….,:-DDD
(Priska Buchmann Scherer)


Verantwortung und Eigeninitiative

Mein Name ist Anna, ich bin Praktikantin im Kinderparadies Los GUSANITOS in Granada. Als erstes möchte ich erwähnen, dass einer Praktikantin viel Eigeninitiative und Kreativität abverlangt wird, was die Arbeit mit den Kindern sehr interessant macht. Aus diesem Grund wird auch jede Freiwilligen-Erfahrung anders sein, da das Arbeitsumfeld sehr stark von der eignen Initiative und den Stärken und Neigungen der Praktikantin abhängig ist.
Wie bei jeder Großfamilie, ist bei den Kleinsten eine zusätzliche Hand immer notwendig, so habe ich mich entschieden, meine Zeit dort zu investieren. Derzeit ist das jüngste Kind ist 9 Monate alt und heißt Mathew. Es ist unglaublich zu sehen, wie er sich in kurzer Zeit entwickelt hat. Anfänglich wollte er immer getragen werden, und wenn man ihn nicht trug, weinte er. Jetzt zieht Mathew es vor, mit den anderen Kindern zu spielen und weint nur noch selten. Die Gruppe der Kleinsten verbringen ihre Zeit vorwiegend mit Spielen, essen oder schlafen. Nach dem Mittagessen helfe ich den Kindern die Zähne zu putzen und sie für den Mittagsschlaf vorzubereiten.
Dreimal die Woche gebe ich bei den Los GUSANITOS Sabaneta, wie auch bei den Los GUSANITOS Tamarindo, Englischunterricht. In einer Gruppe sind Kinder zwischen 2 und 3 Jahren, also sehr klein und ehrlich gesagt, ist es eine sehr große Herausforderung mit ihnen auf Englisch zu spielen. Mit den größeren Kindern, diejenigen welche ca. 5 Jahre alt sind, ist es um einiges einfacher. Viele dieser Kinder besitzen die Reife und das Verständnis, um wirklich Englisch lernen zu wollen. Wir haben viele Zeichnungen gemacht, Lieder gelernt und Spiele gespielt, um Wörter und Sätze zu lernen.
Am Nachmittag helfe ich den Kindern beim Aufgaben erledigen. Die meisten Kinder in der Sabaneta befinden sich im Anfangsstadium und sind dabei Buchstaben und Nummern zu lernen. Ich war sehr überrascht, 10-jährige Kinder zu erleben, welche keine Buchstaben kennen, geschweige denn lesen können. In Anbetracht des Bildungsniveaus der öffentlichen Schulen ist es deshalb wichtig, dass die Kinder hier bei den Los GUSANITOS zusätzlichen Unterricht erhalten.
Ein weiterer Grund, warum Los GUSANITOS wichtig ist, ist seine Funktion als geschützter Ort. Hier können die Kinder unbeschwert ihren Tag verbringen, es gibt Essen, Freunde, verantwortliche Erwachsene, pädagogische und soziale Freizeitaktivitäten sowie Unterricht. Nicht hier zu sein, bedeutete für einige Kinder eine sehr unterschiedliche Alternative.
Mein erster Eindruck von Granada war, dass die Armut nicht so extrem ist wie ich es mir vorgestellt hatte. Allerdings weiß ich jetzt, welche Art von Problemen sich in den Armenzonen Granadas verborgen halten. Ich weiß, dass es einige Eltern nicht interessiert ihre Kinder zur Schule zu schicken. Dass einige Eltern ihre Kinder nicht ernähren können und andere wiederum sich nicht dafür interessieren, ob ihre Kinder nun gegessen haben oder nicht. Ein Kinderparadies wie dieses ist wichtig für die Kinder, damit sie Wertschätzung und Liebe kennen lernen und damit sie ihre Zukunfts-Chancen verbessern.
(Anna Buus Kristensen, Dänemark)

Es ist wirklich nie zu spät…

Mit diesem Beitrag möchte ich die wichtigste Erfahrung, welche ich in den letzten 4 Jahren bei den Los GUSANITOS Tamarindo gemacht habe, mit Euch teilen.
Als ich bei den GUSANITOS anfing konnte ich mir nicht vorstellen, dass auch ich eines Tages die Sekundarschule abschließen würde. Trotz meines Status als alleinerziehende Mutter von zwei süßen Kindern, werde ich es dieses Jahr endlich schaffen. Rückblickend muss ich sagen, dass es nicht immer einfach war all meine Aufgaben unter einen Hut zu bringen, denn immerhin galt es, meinen Verpflichtungen als Mutter nachzukommen, meine Verantwortung als Madrina von 14 pubertierenden Kindern wahrzunehmen sowie für die zu Schule lernen. Aber schließlich kann ich definitiv sagen, JA, all diese Bemühungen haben sich gelohnt. Nun sehe ich mit Ungeduld meinem Schulabschluss entgegen, welchen ich im großen Stil feiern werde, denn dieser wird mir alle Türen für meine berufliche Zukunft öffnen. Zurzeit weiß ich noch nicht welches Studium ich in Angriff nehmen werde, denn der Beruf Anwältin fasziniert mich genauso wie Betriebswirtschafterin oder Buchhalterin, aber mir bleiben ja noch rund 6 Monate um mich definitiv zu entscheiden.
Diesen Erfolg schreibe ich nicht nur meinen Bemühungen zu, sondern auch Gott und Priska zu. Sie hat mir die Chance geboten und mich die ganzen Jahre hindurch bedingungslos unterstützt, wofür ich ihr meinen besonderen Dank ausspreche.
Ich wünsche Priska und allen Menschen die den Los GUSANITOS zur Seite stehen, dass Gott sie beschützen möge.
(Catalina del Socorro González)



Der Unterschied zwischen Tamarindo und Sabaneta

Die Zeit vergeht wie im Fluge während unsere Kleinen schnell heranwachsen und wir durch die täglichen Herausforderungen ebenso schnell erwachsener, älter und erfahrener werden. Vor drei Jahren begann ich meinen Job als Nachhilfelehrerin im Kinderparadies Los GUSANITOS Tamarindo, wo ich mich Kindern gegenübergestellt sah, welche trotz ihrer Einschränkungen, einen enormen Wissensdurst aufwiesen. Als erstes fiel mir auf, dass sie sich in der einzigartigen Form des Seins, alle stark voneinander unterschieden. Der Beginn meiner Erfahrungen mit den Kindern im Tamarindo war sehr schwierig für mich, denn für meine Verhältnisse sah ich mich einer übergroßen Herausforderung gegenübergestellt. Zu Beginn werde ich Euch über ein paar tägliche Routinen berichten, welche zu meinem Aufgabenbereich bei den GUSANITOS im Tamarindo gehörten:
Nachhilfe-Unterricht: Alle traten ein um ihre Schulaufgaben in Angriff zu nehmen und schon bahnten sich die ersten Probleme an. Das Thema welches sie in der Schule behandelten, war für sie nicht einfach und vor lauter Begreifen-Wollen, die Erklärung aber nicht Verstehen-Können, waren ihre Sinne bereits blockiert. Diese Blockade löste die magischen Worte „Ich kann das nicht“ aus, so ziemlich das Einzige woran sie auch wirklich glaubten. Nun lag es an mir, meine Kinder mit kleinen Aufmunterungen und gut zureden dazu zu bewegen, ihre Aufgaben zu lösen. So lernten sie Schritt für Schritt an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben. Mit der Zeit hat sich die Form meines Aufgabenbereiches verändert, denn nun waren nur noch kleine Hilfeleistungen und Erklärungen nötig, wenn sie über eine Aufgabe verwirrt waren. Dieser Erfolg hat uns viele Türchen zu der Freiheit geöffnet, in welcher wir uns nun anderen interessanten und wichtigen Themen wie Allgemeinbildung, Englisch, Informatik, Musik, Tanz, Handarbeiten, Kochen, etc. widmen konnten;
Teamwork: Gruppenarbeit war immer ein Problem zwischen unseren Kindern. Wenn wir eine Arbeit anpackten an welcher mehrere Kinder arbeiten sollten, kam es üblicherweise zum Streit und endete damit, dass ein Kind die Arbeit für alle erledigte. Mit der Zeit habe ich Mittel und Wege gefunden, meine Kinder von den Vorteilen des vereinten Zusammenarbeitens zu überzeugen, dies vor allem mit den größeren Kindern, :-D.
Musik: Dies war ebenfalls ein sehr leidiges Thema, denn unter Musik verstanden unsere Kinder Reggae, Reggae und nochmals Reggae. Es brauchte so einiges an Überzeugungskraft und etliche Anläufe mit Aktivitäten, um sie zu anderen Musikstilen zu bewegen. Nach unzähligen Versuchen schaffte ich es jedoch, meine Kinder an verschiedene Musikrichtungen heranzuführen, natürlich ohne den Reggae zu vernachlässigen, ;-).
Wenn ich über die vielen Erfahrungen und Veränderungen nachdenke, welche ich bei den GUSANITOS im Tamarindo gemacht habe muss ich sagen, dass es die schulische und persönliche Entwicklung war, welche mich an unseren Kindern am meisten beeindruckt hat. Nach vielen Höhen und Tiefen haben sie es geschafft, trotz der widrigen Umstände und den dürftigen Lehrmethoden an der öffentlichen Schule, ihren persönlichen Weg zum Lernen zu finden.
Meine neue Aufgabe befindet sich nun im Kinderparadies Los GUSANITOS Sabaneta. Einen Tag nach der Einweihung begannen wir mit einer kleinen Gruppe Kinder, welche weder Grenzen noch Regeln kannten und uns mit einem sehr unrühmlichen Wortschatz konfrontierten. Mit diesem Grüppchen Kinder verbrachten wir einige sehr, aber sehr bewegte Tage. Seitens unserer Kleinsten waren unsere Tage dominiert von Wein- und Klageliedern. Hinzu kam unser 3-jähriger Randy welcher schrie, trat, weinte, biss und ein Vokabular benutzte welches mir die Schamröte ins Gesicht trieb. Randy kassierte täglich eine kleine Auszeit-Strafe im Kinderzimmer um über sein Benehmen nachzudenken, was ihn nicht daran hinderte mich damit zu bedrohen, dass er morgen von Zuhause ein großes Messer mitbringen würde um sich zu rächen. Nicht zu vergessen Maxi (2½ Jahre), seine ersten Tage verliefen ebenfalls sehr hart, vor allem zu dem Zeitpunkt, wenn seine Mama ihn brachte und seine Schwestern zur Schule mussten. Schon sehr schnell stellten wir fest, dass Maxi’s Leidenschaft das Essen ist, denn er isst alles was ihm in die Quere kommt. Er liebt sogar das Gemüse wovon sehr wenige unserer Kinder begeistert sind und so dient uns Maxi sogar als Vorbild für die anderen Kinder, :-D.
Einen Monat nach der Eröffnung haben wir in der Sabaneta die Türen für weitere Kinder geöffnet, nun betreuen wir 26 Schützlinge. Neben ihren persönlichen Defiziten weisen alle Kinder sehr starke Lernschwächen und dieselben Symptome wie die Kinder damals im Tamarindo auf. Bei ihnen kommt erschwerend hinzu, dass viele Kinder ihres Alters wegen, 2 Schuljahre in einem Jahr bewältigen müssen. Wir haben zum Beispiel etliche Kinder welche die 3. und 4. Klasse in einem Jahr absolvieren, jedoch noch nicht einmal die Vokale kennen. Diese Tatsache erschwert uns die Arbeit enorm und in solchen Momenten erinnere ich mich, dass es bei den Gusanitos im Tamarindo gleich war, sich dieses Problem in der Zwischenzeit jedoch gelöst hat. Hier in der Sabaneta beginnen wir bei null oder noch weniger, aber die Erfahrungen aus meiner Tamarindo-Zeit gibt mir immer wieder Kraft und Hoffnung.
Im Allgemeinen scheint mir, als ob das Desinteresse betreffend Bildung seitens der Regierung und der Behörden noch gravierender geworden sei. Den Lehrern und Schuldirektoren fehlt das Interesse, die Kinder und Jugendlichen zu unterrichten und es interessiert sie nicht, ob sie eine Lektion gelernt haben oder nicht.
Aber unsere Hoffnungen sterben nicht, im Gegenteil, wir haben uns zum Ziel gesetzt, unsere Kinder weit über das nicaraguanische Bildungsprogramm hinaus zu unterrichten. Dies unter Berücksichtigung unseres Mottos „die Form seines Seins macht jedes Kind einzigartig“.
(Andrea Pacheco)