Hingabe, Liebe, Geduld und viel Ausdauer

Nach der erfolgreichen Einweihung vom 1. Mai, hat am 2. Mai der „Ernst des Lebens“ unserer ersten 10 Kinder bei den Los Gusanitos Sabaneta begonnen. Ich werde Euch ein wenig darüber berichten, wie unser großes Stück harte Arbeit begann.
Mit Enthusiasmus stellten wir uns der großen Herausforderung, unsere Ziele zu erreichen. Innerhalb kürzester Zeit mussten wir bei all unseren Kindern nicht nur immense schulische Schwächen feststellen, sondern zur Kenntnis nehmen, dass sich die Defizite über all ihre Entwicklungsbereiche erstrecken. Von Adriana, Geovany, Oscar und Karen haben wir die ersten Noten analysiert und stießen auf traurige Ergebnisse. Es schien fast so als ob den Lehrern der Blaustift ausgegangen sei und sie deshalb nur rot verwendeten.
Diese Tatsachen ließen mich unsere wahre Herausforderung erkennen und haben mich eines Besseren belehrt mit der Einsicht, dass wir unsere Ziele nur erreichen, wenn wir sehr langsam vorgehen. Mir wurde bewusst, dass wir genau das Gegenteil erreichen werden, wenn wir von unseren Kindern etwas verlangen, wozu sie einfach noch nicht bereit sind. Somit liegt ein langer, steiniger Weg vor uns und bis dahin werden uns unsere Kinder viel Hingabe, Liebe, Geduld und Ausdauer abverlangen.
Ich erzähle Euch auch gerne darüber, wie glücklich und fröhlich unsere Kinder allein über die Tatsache sind, dass sie bei uns sein dürfen. Über das tägliche Desaster, wenn es darum geht nachhause zu müssen, schweigen wir uns besser aus.
Maxi (2½ Jahre) ist einer von ihnen, er genießt es nach Herzenslust mit unseren Madrinas zu spielen. Als er zu uns kam, weinte er den ganzen Tag und war nicht in der Lage, auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Mit Maxi haben wir gleich mehrere Erfolgserlebnisse verbuchen können: Er hat aufgehört zu weinen und hat angefangen seine Kindheit zu genießen. In der Zwischenzeit bittet er um Wasser und spricht Worte nach, womit er uns immer zum Lachen bringt. Wenn wir ihn fragen: „Maxi, möchtest Du noch etwas essen“, oder, „Maxi, möchtest du Fruchtsaft“, oder wir fragen ihn irgendetwas anderes; Maxi antwortet prinzipiell mit einem „NEIN“, anstelle eines „JA’s“. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, und amüsieren uns köstlich an ihm. Trotz seines kläglichen Wortschatzes wissen wir inzwischen genau, was Maxi uns berichten will.
Seine Schwester Adriana (12 Jahre) steht ihm in nichts nach. Seit dem 2. Mai geht sie täglich zur Schule, obwohl sie sich anfänglich geschämt hat, mit den Kleinen in die 1. Klasse zu gehen. So hat auch sie gelernt Kind zu sein und genießt es, mit den anderen Kindern ausgelassen zu spielen. Ihr Rückgrat hat sich in den letzten zwei Wochen ein wenig gestreckt, sie läuft nun nicht mehr ganz so buckelig wie eine 80-jährige Großmutter, mit einem zerzausten Haarknoten. Die „Schuld“ daran tragen neben vielen anderen Komponenten, unsere Madrinas Kelly und Andrea, denn traurige Realität ist, dass Adriana‘s Haar noch nie mit einem Shampoo oder einen Kamm konfrontiert wurde. So wuschen und kämmten ihr Kelly und Andrea die Haare in einem langwierigen Prozess, welcher seitens aller Beteiligter von etlichen „AUUUUTSCH’s !“ begleitet war. Aber es hat sich gelohnt, denn seither leuchtet in Adriana’s Gesicht ein konstantes Lächeln, mit welchem sie uns zum Ausdruck bringt, dass ihr ihre Veränderung gefällt. Seit ihrer Verschönerungskur kommt sie nun an den Wochenenden bei mir vorbei und bittet mich um einen Kamm, damit sie sich schönmachen könne.*
So erfreuen wir uns an den kleinen-großen Fortschritten, welche wir mit unseren 10 Lieblingen in kurzer Zeit erreicht haben.
Ein weiteres Ziel ist, dass wir die Anzahl Kinder aufstocken, deshalb haben Priska und ich in den letzten Tagen, einmal mehr verschiedene „Zuhauses“ von unseren künftigen Kindern besucht. Es waren harte Tage und nicht einfach, sich der Realität zu stellen, unter welch unmenschlichen Umständen die Familien unserer zukünftigen Kinder leben. Traurige Tage welche uns schlaflose Nächte bereiteten, Tränen flossen, sich Wut aufstaute und vieles mehr. In Anbetracht unserer unendlichen Impotenz, hatten unsere Gefühle viele Stürme zu ertragen.
Somit werden wir unsere Kinder ab dem 1. Juni, von 10 auf 28 aufstocken und werden Euch in einem nächsten Blog über unsere Erfahrungen und Fortschritte berichten.
*Anmerkung: Wir würden Adriana gerne ihren Kamm, ihre Seife, etc. schenken damit sie sich zuhause pflegen kann. Leider besteht das Problem, dass sie die Dinge nicht einen Tag lang hätte, denn ihre eigene Familie würde es ihr wegnehmen um zu Geld verwerten.
(Ingrid De Los Ángeles Maltéz Mejía)